Was können Selfie-Drohnen?

Selfies mit dem Smartphone sind eigentlich nicht einfach zu produzieren: Wer sie ohne das Hilfsmittel eines speziellen Stabes nur aus der Hand produziert, hält die Kamera viel zu dicht vor das eigene Gesicht, was unbefriedigende Ergebnisse hinterlässt. Eine moderne Alternative bietet die Selfie-Drohne, die im Prinzip wie jeder Multicopter funktioniert, aber autonom fliegt und mit einer objektbezogenen Videofunktion ausgestattet ist. Das birgt reichhaltiges Potenzial. Experten vermuten, dass solche Drohnen der nächste Hit bei den Consumer-Coptern werden könnte.

Mann fliegt Selfie Drohne
Atemberaubende Selfies in aufregenden Umgebungen: Möglich eigentlich nur mit Drohnen

Was ist das Besondere an einer Selfie Drohne?

Es gab in jüngster Zeit rasante technische Entwicklungen bei der Robotik und Sensorik. Multicopter sind nun immer mehr imstande, eigenständig auf ihre Umgebung zu reagieren. Das generiert neue Anwendungsfelder, für die ein autonomer Flug erforderlich ist. Das Besondere an einer Selfie-Drohne ist die Tatsache, dass sie ohne RC-Fernsteuerung funktioniert, weil sie einem definierten Objekt – zum Beispiel einem Menschen – folgt und dieses aufnimmt. Wer sich mit Multicoptern eigentlich nicht auskennt und wenig technikaffin ist, hat damit trotzdem viel Spaß. Die Drohne filmt und fotografiert ihn selbstständig.

Selfie Drohne Test: Was können die selbstständigen Multicopter?

Das hängt von der Ausstattung der Selfie-Drohne ab, die sich direkt auf den Preis auswirkt. In den folgenden Preisbereichen sind im Allgemeinen die genannte Eigenschaften zu erwarten:

Low Budget (max. 200 €)

  • 720p oder 1080p Aufnahmen (5 Megapixel)
  • relativ schwache oder gar keine Selfie-Modi
  • relativ schwaches FPV
  • kein GPS
  • max. Reichweite um 200 m

Mittelklasse (300 – 600 €)

  • 2,7 – 4K Aufnahmen (5 – 12 Megapixel)
  • Selfie-Modi & Smartshots
  • solides FPV
  • manchmal Hinderniserkennung
  • große Reichweite oft bis 500 m und mehr

Profi und Highend (ab 600 €)

  • ab 4K Aufnahmen (12 – 20 Megapixel)
  • beeindruckende Selfie-Modi & Smartshots
  • hochauflösendes FPV
  • Hinderniserkennung
  • sehr große Reichweite deutlich über 1.000 m

Selfie Drohne kaufen: Welche Angebote gibt es?

In nur wenigen Jahren ist der Markt rasant gewachsen. Längst kommt die Drohne nicht mehr nur von Start-ups oder Nischenherstellern: Auch Platzhirsche wie DJI treten mit sehr interessanten Angeboten auf den Plan. Von DJI ist beispielsweise die Einsteiger-Drohne Ryze Tello sehr interessant (siehe unser Testbericht). Doch auch die DJI-Modelle Phantom 4 Quadrocopter, Spark, Mavic Pro, Mavic Air und Mavic 2 sollten sich Interessenten einmal anschauen, wenn sie eine Selfie Drohne kaufen möchten. Durch ihr Visual Tracking ermöglichen diese Drohnen auch Selfie-Aufnahmen, selbst wenn das nicht ihr Hauptzweck ist.

Warum gibt es plötzlich die Selfie Drohne?

Woher die Selfie-Drohne ihren Namen hat, erklärt sich von selbst: Das Selfie, das wir bislang nur mit dem Smartphone geschossen haben, kommt nun vom Copter. Hobbypiloten fertigten schon länger solche Luftbilder von sich an. Neu ist nun, dass die Drohne das programmierte Objekt – ihren Besitzer – selbstständig verfolgt und fotografiert oder filmt, während er sie nicht mehr steuern muss. Er kann auf dem Snowboard oder mit dem Kajak unterwegs sein, die Drohne macht davon herrliche Aufnahmen.

Der Weg zur Selfie Drohne war ein allmählicher: Anfangs nutzte man die Möglichkeit, mit einem Tracking Device – meistens einem Armband – die Drohne zum Folgen zu verleiten. Die Lily Camera Drone war hier ein Vorreiter. Die Drohne nahm die entscheidenden Parameter vom Tracking Armband auf, darunter die Bewegungsrichtung, die Geschwindigkeit und die Beschleunigung.

Bei hochpreisigen Modellen war es sogar möglich, die Entfernung der Drohne zu ihrem Besitzer und die Richtung für die Luftaufnahmen zu programmieren. Noch einen Schritt weiter geht der Phantom 4 Quadrocopter von DJI, der eigentlich keine reine Selfie Drohne ist. Er generiert visuelle Daten, die vom Objekt stammen, nämlich dessen Größe, Form und Farbe. Daraus folgte dann die Identifikation eines Zielobjekts, dem die Drohne permanent folgt.

Selfie Drohne Test: Worauf kommt es an?

Wer eine Selfie-Drohne einsetzen möchte, benötigt am besten ein Modell, das nicht nur das Zielobjekt, sondern auch Hindernisse erkennt. Ansonsten kommt es abseits von leichten Fluggegenden schnell zu Abstürzen beispielsweise durch Äste. Da eine sehr günstige Drohne meistens nicht über so hochgradige Technik verfügt, bauen sie die Hersteller äußerst robust. So sollten auch die höherwertigen Modelle beschaffen sein. Wenn es nämlich wider Erwarten einen Crash gibt, muss beim Absturz die sensible Elektronik im Inneren des Fluggeräts vor einem Totalschaden bewahrt werden. Doch höherpreisige Modelle erkennen nicht nur Hindernisse, sondern umfliegen sie auch. Es gilt das Grundprinzip: Je teurer die Selfie Drohne ist, desto besser funktioniert gerade diese Funktion. Dennoch sollten sich Interessenten, die eine solche Drohne kaufen möchten, in dieser Hinsicht genau vergewissern – gerade dann, wenn sie bereit sind, hierfür relativ viel Geld auszugeben.

Selfie Drohne kaufen: Was kostet das?

Oben wurden schon drei Preisklassen genannt (Low Budget, Mittelklasse und Highend). Mit einigen Hundert Euro Investition habt Ihr wirklich Spaß mit Eurer Drohne. Im Highend-Bereich sind Modelle wie die Hover 2 oder die Parrot Anafi um 600 € (+/- je nach Anbieter) zu haben, die DJI Mavic pro liegt als transportabler Allrounder im fünfstelligen Preisbereich (um 1.200 €). Eine deutlich günstigere Selfie-Drohne hat viele sicherheitsrelevante Funktionen nicht. Auch ihre Videoqualität ist nicht besonders gut. Wenn es nur um ein paar Selfies im freien Gelände ohne Hindernisse und ohne hohen Anspruch an die Bilder geht, genügen jedoch auch Modelle im Preisbereich zwischen 200 und 400 €.

Das Thema Sicherheit beim Fliegen

Auch die Selfie-Drohne muss den gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsstandards entsprechen. Sie darf einerseits weder Personen noch Areale aufnehmen, für die keine Erlaubnis vorliegt, andererseits darf sie auch nicht auf einem Terrain niedergehen, das zu einem Privat-, Firmen- oder Behördenbesitz gehört. Das bedeutet: Da vermehrt fachfremde Hobbypiloten eine Drohne kaufen werden, die kaum Vorkenntnisse zur nötigen Akku-Leistung, dem Flugverhalten und den Modi haben, könnte manchmal der Ärger vorprogrammiert sein. Laien und Einsteigern sei daher empfohlen, sich mit den entsprechenden Vorschriften gründlich vertraut zu machen – es drohen sonst zum Teil empfindliche Bußgelder. Auch eine Drohnen-Versicherung ist unter diesem Blickwinkel unabdingbar.

Gibt es eine empfehlenswerte Selfie-Drohne?

Die Ryze Tello

Eine sehr gute und günstige Selfie Drohne ist die Ryze Tello, für die es unseren Selfie Drohne Test gibt. Ryze hat diese Selfie-Drohne mit der Unterstützung des Herstellers DJI entwickelt. Sie fand schnelle viele Fans, weil sie vergleichsweise wenig kostet und mit 13 Minuten Flugzeit lockt. Auch ihre Kamera überzeugt. Unser Testbericht der Ryze Tello erklärt auch ihre Konfiguration und Kalibrierung.

Der einzige Unterschied zu anderen Selfie-Drohnen ist, dass die Tello nicht autonom fliegt. Man muss sie mit einer Handy-App steuern. Man kann sie aber natürlich sicher an die gewünschte Stelle fliegen und die Drohne hält automatisch die gewünschte Position. Mit bestimmten Aufnahmemodi kann die Tello beispielsweise ein Panorama-Foto aufnehmen oder nach hinten und nach oben von Personen wegfliegen und dabei ein Video aufnehmen, das zusätzlich noch die Umgebung zeigt.

Picture of Another Field
Ein mit der Ryze Tello aufgenommenes Bild. Die Fotoqualität überzeugt.

Weitere gute Selfie-Drohnen sind unter anderem:

  • DJI Mavic Pro und DJI Mavic 2 Pro
  • DJI Mavic Air
  • Parrot Anafi
  • Hubsan Zino

Selfie Drohne Test: Fazit

Die Selfie-Drohne ist schwer im Kommen und dürfte noch sehr viel mehr Anhänger finden. Gerade günstige, aber leistungsfähige Einsteigermodelle wie die Ryze Tello sind eine deutliche Empfehlung an alle Interessenten wert, die aktuell eine solche Drohne kaufen möchten.